Durch die ersten Kunden konnte ich relativ schnell herausfinden, was sie wirklich brauchen, worauf sie Wert legen und worauf es in der Kommunikation ankommt. Der wichtigste Meilenstein war damit erreicht: Die Machbarkeit war bewiesen.
Doch als Softwareentwickler gab ich mich mit einer „schrecklichen App“ natürlich nicht auf Dauer zufrieden. Während ich die ersten Hardware-Iterationen durchlief, arbeitete ich parallel an einem echten Mammutprojekt: meiner eigenen Fotobox-Software Boothy.eu. Was aus dem eigenen Bedarf heraus begann, entwickelte sich zu einer umfassenden Lösung, die nun das Herzstück meiner Boxen bildet und auf die man auf boothy.eu einen Blick werfen kann.
Auch wenn ich weit entfernt von dem Klischee des isolierten Nerds im dunklen Kämmerlein bin, musste ich mich bisher kaum mit Produktplanung, Marketing oder der direkten Endkundenkommunikation auseinandersetzen. Ich war auf diesem Gebiet blutiger Anfänger und nutzte KI als meine Leitplanke, um in der Spur zu bleiben. Aktuell springe ich von einem unbekannten Terrain ins nächste – und ich muss sagen: Das macht unglaublich viel Spaß! Es ist ein Leben außerhalb der Komfortzone, in dem man nie genau weiß, was hinter der nächsten Ecke wartet.
Um der Qualität meiner Software nun auch physisch gerecht zu werden, musste ich für die Fotobox v3 die reine Arbeit am PC wieder hinter mir lassen. Ich erstellte einen detaillierten CAD-Plan und durchdachte jedes noch so kleine Detail, das die neue Fotobox ausmachen sollte. Anschließend fuhr ich in den Baumarkt, suchte das Material aus und ließ es zuschneiden. Das Ergebnis: sechs verschieden große Multiplex-Bretter. Sicherlich hätte ich mich hier selbst noch tiefer in die Materie einarbeiten können, aber ich entschied mich stattdessen, eine lokale Tischlerei um Hilfe zu bitten. Das war ein voller Erfolg! Ich durfte mir die beeindruckenden Maschinen ansehen, mein Vorhaben mit Fachleuten diskutieren und konnte mit meinen CAD-Dateien und Plänen sogar richtig punkten.
Das Resultat? Immer noch sechs Bretter, aber nun professionell verarbeitet, mit perfekten Aussparungen für Kamera, Monitor und LED-Streifen.
Wieder zu Hause angekommen, wartete schon die nächste große Unbekannte: Wie baue ich die Box nun stabil zusammen, ohne die äußere Optik durch sichtbare Schrauben zu ruinieren? Nach einem kurzen Chat mit der KI war die Lösung klar – ich brauchte Winkelspanner und Holzleim. Auf Amazon lachten mich kurz darauf vier Plastik-Winkelspanner mit billigen Federn für stolze 26 Euro an. Alles in mir sträubte sich dagegen. Für ein so simples Werkzeug so viel Geld ausgeben? Also warf ich kurzerhand wieder den 3D-Drucker an und druckte mir richtig tolle, viel günstigere Winkelspanner selbst. Das Ganze dauerte gerade einmal sechs Stunden, anstatt zwei Tage auf ein Paket warten zu müssen.
Nun steht sie vor mir: eine (fast) fertige Fotobox, genau so, wie ich sie mir ganz am Anfang erträumt hatte – und angetrieben von meiner eigenen Software. Ich bin unendlich froh, diesen Weg gegangen zu sein.
Ich habe meine CAD-Fähigkeiten massiv verbessert und meine eigenen Werkzeuge eingesetzt, um die Kosten gering zu halten. Ich habe stundenlang mit einer KI gefachsimpelt, um kritische Punkte nicht zu übersehen. Ich durfte in die Welt der Holzverarbeitung eintauchen, habe tolle Menschen kennengelernt, gemeinsam mit ihnen Lösungen erarbeitet und mir Werkzeuge gebaut, die besser waren als das, was man online kaufen kann. All das, um jetzt vor einem Produkt zu stehen, das ich von Grund auf selbst erschaffen und gestaltet habe – bereit, das nächste Kapitel in dieser spannenden Geschichte aufzuschlagen.
Mein größtes Take-away aus dieser ganzen Reise ist zu meinem absoluten Leitbild geworden: Einfach mal machen und auf dem Weg lernen. Natürlich hätte ich mich wochen- oder monatelang in der Theorie vergraben können, um direkt ein perfekt aufpoliertes Endprodukt auf den Markt zu bringen. Aber was wäre gewesen, wenn ich all diese Zeit, die Energie und das Geld investiert hätte, nur um am Ende festzustellen, dass der Bedarf gar nicht da ist? Perfektionismus ist oft der größte Feind des Anfangens. Der unperfekte Start hat mir nicht nur die Bestätigung gebracht, dass meine Idee funktioniert, sondern mir auch Lektionen erteilt, die mir kein theoretischer Plan der Welt hätte beibringen können.



